Vancouver & Island - August 2016

Von Horseshoe Bay nehmen wir die Fähre nach Nanaimo auf Vancouver Island. Wir sind nicht die Einzigen... Natürlich haben wir nicht reserviert, da der Entschluss relativ spontan gefallen ist (wofür planen wir eigentlich?). So stehen wir 1 ½ Stunden in der Reihe und beobachten die Mitwartenden, die allesamt an ihren Handys spielen. Erst nach einer Stunde realisieren wir, dass es hier WLan haben könnte - hat es natürlich! Na toll, in der Zeit hätten wir einen Reisebericht uploaden und uns etwas über die Insel informieren können…
Wir geniessen die Überfahrt. Durch den Howe Sound haben wir Blick auf die Skyline von Vancouver, im Hintergrund der schneebedeckte Mt. Baker, der bereits in Washington in den USA liegt.
 
In Nanaimo stehen wir erstmal im Stau, wo wollen denn all die Menschen hin? Sie wollen zu den zahlreichen Campingplätzen, Lodges, Resorts und Motels die die Insel zu bieten hat. Die Insel scheint des Städters liebstes Wochenendziel! Schnell weg von der Hauptroute! Wir verlassen uns auf unsere Backroad Maps und schlagen uns in die Wälder. Doch welch Ernüchterung. Die Wälder sind das Reich der Holzindustrie. Viele Wege sind gesperrt oder verboten, riesige Flächen Wald sind abgeholzt und hinterlassen kahle Stellen in der Landschaft, hmm.. Auch der zuverlässige TCAT lässt uns für einmal im Stich und endet wiederholt an Barrieren. Für die erste Nacht begnügen wir uns mit einer Lichtung vor einer Barriere, wo wir eigentlich weiter zum Berg hoch wollten. Prompt werden wir vertrieben! Das ist uns in 5 Monaten auch noch nie passiert. Erst einmal wurden wir bisher abends gestört, durften aber bleiben bis am Morgen. Diesmal nicht, freundlich werden wir darauf hingewiesen, dass dies Privatland ist und wir bitte verschwinden sollen… das kann ja heiter werden. Nach langem Suchen finden wir einen Platz neben einer abgeholzten Stelle und lassen es für den ersten Tag gut sein.
Am nächsten Morgen geben wir der Insel nochmals eine Chance. Wir überqueren die Berge auf dem Highway Nr. 4, zum Pacific Rim Nationalpark soll es gehen. Kilometerlanger, von zerklüfteten Felsen unterbrochener Sandstrand an der Westküste. Der Highway ist stark frequentiert und die Kanadier lieben riskante Überholmanöver. Auf Grund der sehr nah auffahrenden Autos wird jegliches spontane Abbiegen/Anhalten zum Sightseeing zum riskanten Nervenkitzel. Wir erholen uns bei einem Bad im Kennedy Lake. Wir sind nicht alleine und haben gerade noch mit viel Glück den letzten Parkplatz ergattern. Noch geben wir nicht auf. Wir erreichen die Westküste und decken uns im Visitor Centre mit Informationen und Wanderkarten ein. Die geplanten Walks im Park streichen wir ersatzlos als wir die überfüllten Parkplätze sehen und die Menschen, die an der Kasse drängen um ein Parkticket zu erstehen. Es gelingt uns doch noch einen halblegalen   Parkplatz zu ergattern und wir machen uns auf den Weg zum Long Beach. Der Spaziergang durch den Wald ist wunderschön. Auf Holzplanken laufen wir durch echten Regenwald! Riesige Douglasien und Hemlocktannen, mehrere hundert Jahre alt und bis 75 m hoch. Wir sind völlig fasziniert und vergessen fast, dass wir eigentlich auf dem Weg zum Strand sind. Der Long Beach ist wirklich eine Überraschung: feiner Sand, verwittertes Treibholz, klares Wasser… wir machen Pause und besprechen das weitere Vorgehen. Das Surferparadies Tofino schenken wir uns, und da die Campingplätze eh alle ausgebucht sind, machen wir uns lieber auf den Weg zurück und suchen uns eine weniger frequentierte Ecke auf der Insel. Auf dem Rückweg fahren wir bei Cathedral Grove vorbei. In diesem Waldstück gibt es besonders grosse und alte Exemplare der Riesenbäume. Auch hier ist der Andrang riesig und nach mehreren frustralen Versuchen, einen Baum zu fotografieren ohne das wer ins Bild läuft geben wir auf. Zu diesem Zeitpunkt hätten wir die Insel am liebsten wieder verlassen.
Zum Glück haben wir nach dem Wochenende noch einen Termin beim Diesel-Spezialisten auf der Insel und bei einem Arbeitskollegen von mir möchten wir auch noch gerne vorbeischauen. So versuchen wir uns an einer anderen Strategie. Wir meiden die allzu touristischen Plätze und halten uns an unsere Backroad Maps und den Cacher-Instinkt. Beides zusammen, gepaart mit etwas Ausdauer und Spürsinn bringt uns an wunderschöne Plätze, denn schön ist sie ja die Insel, sehr sogar, nur halt etwas zu stark bevölkert für uns einsamkeits- und naturverwöhnte Aussteiger. So baden wir in Potholes im Kennedy River, essen Halibut Burger am Qualicum Beach während wir den Fischern zusehen, schlendern durch das Städtchen Chemainus und bewundern die Wandbilder und sehen uns die Totems in Duncan an. Die Insel hat viel zu bieten und die Zeit ist mal wieder zu kurz.
So laufen wir am Dienstagmorgen pünktlich um 08.00 Uhr morgens bei RADD Cruisers 4 wheel drive ein. Die Jungs dort wurden uns mehrfach im Buschtaxi-Forum empfohlen und sollen DIE Experten in Sachen Diesel und Einspritzung sein. Seit Ticos Mucken in Jasper haben wir uns vorgenommen, mal einen Spezialisten ein Auge auf Ticos Inneres werfen zu lassen...
Tico ist der Star des Tages! Der ganze Morgen wird geguckt, fotografiert, gelobt, gestaunt und auch ein klein wenig geschraubt, und Dani stets mittendrin. Derweil mach ichs mir im bequemen Bürosessel und im hauseigenen WLAN bequem und bringe die Webseite auf den neusten Stand. Am frühen Nachmittag haben wirs schriftlich: Tico ist bei bester Gesundheit und ready to race the world, oder so… Nach diversen Checks und Austauschen des Dieselfilters wurde nichts weiter entdeckt und einfach mal so alles auseinanderzunehmen ergibt auch keinen Sinn, zumal Tico nach dem einmaligen Vorfall auch keinen weiteren Anlass zum Meckern gegeben hat. Sicher auch Dank Danis aufmerksamer Pflege und dem Dieseladditiv, das wir seit Halifax akribisch bei jeder Tankfüllung dazugeben.


Unvergessliche Begegnung
Nächste Station ist Victoria, nicht nur Hauptort der Insel, sondern auch von ganz British Columbia. Eigentlich mögen wir ja keine Städte und versuchen uns jeweils möglichst optimal darauf vorzubereiten. Noch ganz in Gedanken über die Erkenntnisse aus der Werkstatt fahren wir direkt auf den vermutlich teuersten Parkplatz der ganzen Stadt und laufen planlos drauflos ohne weder etwas gegessen noch etwas zu Trinken eingepackt zu haben. Dass wir beide auch noch dringend zur Toilette müssen und natürlich weit und breit keine vorhanden ist, macht die Sache auch nicht besser. Der etwas hastige und unentspannte Weg bis zum Visitor Centre endet fast im Streit, und erst nachdem den körperlichen Bedürfnissen in Form von Toilette, Wasser und etwas zu Essen nachgegeben wurde vertragen wir uns auch wieder ;-).
Wäre ja auch schade gewesen denn Victoria hat einiges zu bieten. Es hat sich seine britische Tradition bewahrt und der Afternoon-Tea soll hier noch pedantischer zelebriert werden als in London. Wir geniessen die wunderschöne Hafenpromenade mit Ständen, Künstlern und Handwerk, und bei einem Stadtbummel entdecken wir ein altes, für kleine Shops umgenutztes Fabrikareal und die niedlichen Wassertaxis. Natürlich bewundern wir auch das protzige Fairmont Empress Hotel und das imposante Parlamentsgebäude direkt am Hafen. Dieses erinnert doch etwas ans Bundeshaus - upps, war da grad ein kleiner Anflug von Heimweh?

Zum Abschluss geht’s zur Fishermans Wharf: Putzige farbenfrohe Häuschen direkt auf dem Wasser mit Holzplankenstegen verbunden, Foodstände aus aller Welt, ein Bruce Springsteen singender Gitarero und flanierende Touristen runden das quirlige Bild ab während sich im Wasser Seehunde tummeln und darauf warten, dass ein Happen für sie abfällt - was es leider auch viel zu häufig tut!
So nimmt der Stadtbesuch doch noch einen erfreulichen Verlauf und wir fahren zufrieden hinaus zu unserer letzten Station, dem Zuhause von Guido und seiner Frau Barbara - Schweizer, die seit einigen Jahren in Canada leben. Seit wir auf Reisen sind haben wir uns häufiger geschrieben und Guidos Einladung und die Möglichkeit uns bei ihnen etwas auszuruhen und zu retablieren nehmen wir gerne an. Wir verbringen zwei wundervolle Tage in ihrem gemütlichen Zuhause in einem Vorort von Victoria. Das heimelige und doch sehr moderne Holzhaus steht auf einem Hügel im Wald und vom Garten hat man einen herrlichen Ausblick auf Victoria und das Meer. Wir geniessen die kurze Zeit mit den Beiden und ihrem Besuch aus der Schweiz - Martin, Alex und ihr Sohn - sehen uns Sidney an, essen Schnitzel in Guidos Restaurant Bistro Suisse und führen stundenlange Gespräche über Gott und die Welt. Es war ein steiniger Weg für die Beiden, bis sie Canada ihr Zuhause nennen konnten und wir sind tief beeindruckt wie sie die Hindernisse gemeistert haben und wo sie heute stehen. Respect!
Viel zu schnell ist die schöne Zeit vorbei und da wir dank Babas Hilfe einen Platz auf der Freitag Nachmittag Fähre nach Vancouver gebucht hatten, hält sich die Wartezeit an der Swartz Bay trotz Feierabendstau noch in Grenzen. Herzlichen Dank euch Beiden für eine unvergessliche Zeit, es hat unglaublich gut getan, nicht nur die heisse Dusche, sondern Eure unkomplizierte Gastfreundschaft und das Vertrauen uns gegenüber.

Family-Reunion in Vancouver
Der Preis für die schöne Fährfahrt von Swartz Bay nach Tsawwassen ist die nervenaufreibende Fahrt einmal durch ganz Vancouver am Freitag Nachmittag zur Rush Hour - hab ich schon mal erwähnt das Tico das absolut perfekte Stadtautos ist?! Wie auch immer, irgendwann kommen wir in North Vancouver an, mit den Nerven am Ende und doch voller kribbeliger Aufregung, sollten wir doch endlich meine Cousine Christine treffen, die ich in meinem Leben erst zweimal und das letzte Mal vor fast 10 Jahren gesehen habe! Doch im Zeitalter von Facebook und Instagram ist das ja auch kein Problem und die Vorfreude auf beiden Seiten ist seit Wochen riesig!
Und tatsächlich ist es wie Heimkommen: das Gästezimmer mit eigenem Bad ist für uns bereit, auf dem Bett liegen WLan-Zugangsdaten und Hausschlüssel. Vor Aufregung versagt mein Englisch genau wie Christines entzückendes Bärndütsch. Wir verbringen ein wunderbares Weekend in Vancouver, vollbepackt mit Erlebnissen und Eindrücken, wir erleben die Stadt, wie sie vermutlich Christine auch noch nie gesehen hat, probieren die multikulti Foodstände in der City und am Night Market aus, schlürfen Cocktails am Beach und stöbern durch Geschäfte. Am Sonntag trifft sich die restliche Familie bei Christine zum Sushi. Wir geniessen den Nachmittag sehr und freuen uns, einander nach der langen Zeit wieder zu sehen!
Am Abend testen wir die Neuanschaffung zu der uns Christine überredet hat und mit der wie schon seit Halifax liebäugeln, den ultraleichten und kleinen Camping-Dampfkochtopf von GSI. Da für uns absolutes Neuland, lassen wir uns die Funktion und Vorzüge erklären. Als wir überzeugt sind, dass uns das Ding bei richtiger Handhabung nicht um die Ohren fliegen kann, versuchen wir uns an Maiskolben und Gschwellti und sind bald restlos begeistert. Wir freuen uns schon sehr, die vielen Gerichte auszuprobieren die in unseren Köpfen rumschwirren.
Nicht leicht fällt uns der Abschied am Montag morgen. Von Christine, die wir in der kurzen Zeit bereits richtig ins Herz geschlossen haben und auch von ihrer gemütlichen Wohnung, die uns alle Annehmlichkeiten bietet, die wir zwar nicht direkt vermisst haben, aber sehr sehr schön sind wenn sie da sind :-).
Christine, thank you soooo much for this amazing weekend. Merci für Dini Geduld, Dini Zytt und Dini Grosszügigkeit, mir heis sehr gnosse und vermisse Di bereits jetzt!