Ticos Ausbau und Technik

​Geschrieben von Dani


Dezember 2013: Entwicklung einer Alpenblume...

Es war Liebe auf den ersten Blick! Weiss, bullig und schon fast furchteinflössend gross mit dem monströsen Bull-Bar und offenem Hubdach... ein Toyota Landcruiser HZJ 78 - Offroader und Campingmobil - kurz, das Reisegefährt unserer Träume!
Die Vorbesitzer haben ihr "Edelweiss" viele Jahre mit äusserster Sorgfalt gehegt und gepflegt, nach eigenen Vorstellungen ausbauen lassen und dabei weder Kosten noch Mühen gescheut.
Wir verstehen uns auf Anhieb und beim Kaffee schwelgen wir in Reiseerlebnissen und Abenteuern. Es fällt Ihnen nicht leicht, sich vom "Edelweiss" zu trennen, aber wir versprechen feierlich, dem Cruiser mindestens so viele Abenteuer zu bieten wie sie es getan haben ;-)
Zum "Edelweiss" bekommen wir eine immense Vielfalt an Zubehör, Campingausrüstung, Inventar und Lektüre, nochmals ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle!
Trotzdem wächst die Liste mit den Dingen die ersetzt oder nach unseren Vorstellungen geändert werden müssen rasant in die Länge und uns wird klar, dafür geht nicht nur das eine oder andere Wochenende drauf - nein, das Projekt wird uns vermutlich den ganzen Sommer beschäftigen...
Tja, und darum verbringen wir unsere gesamte Freizeit in der Werkstatt und langsam wird aus dem "Edelweiss" unser "Tico", benannt nach den Einwohnern Costa Ricas, stellvertretend für Lateinamerika, Fernweh und Abenteuerlust!.

Anmerkung Cel: "Tico" steht mittlerweile auch als Abkürzung für "El Chicitico" eine lateinamerikanische Abkürzung für "Winzling" - Wohnkomfort auf engstem Raum ;-)


Januar 2014: Optimierung Innenausbau

Warum haben wir so viel Arbeit ins neue Interieur gesteckt? Tja, weil sich das Leben halt auch nur dann draussen abspielt, wenn das Wetter mitmacht! Unsere Vision war, bei geschlossenem Dach im Fahrzeug sitzen zu können. Hierfür haben wir die Bettkonstruktion einige Zentimeter angehoben und das rechte Möbel verkleinert. Jetzt haben wir eine bequeme Sitzgelegenheit und mehr Beinfreiheit, damit man auch mal kreuzen kann im Auto. Hierfür musste jedes Schränkchen und Türchen angepasst werden, Hunderte von Popnieten ersetzt und Profile gekürzt werden. Doch das Resultat kann sich wahrlich sehen lassen! Das neue Notbett hingegen hat uns viel Kopfzerbrechen bereitet, gibt doch der Kühlschrank die Mindesthöhe vor. Doch auch hier hat unser Freund Rolli tolle Arbeit geleistet und es möglich gemacht.


April 2014: Elektrik und ihre Tücken....

Die ganze Elektrik machte mir sehr viele Gedanken. So wurde erst mal jedes Kabel verfolgt von und wohin es geht, Fehlerquellen wurden eliminiert und alles wurde ausgemessen.
Unzählige Kabel wurden neu oder anders verlegt und Sicherungen eingebaut. Das fehlerhafte Trennrelais wurde durch ein intelligentes Cyrix-i 120A getauscht. Ein CTEK MXS 10 Batterieladegerät wurde fest verbaut um die 3 Batterien auch an Ruhetagen ideal zu versorgen. Ansonsten sollte der MPPT Solarregler auch ohne Stromanschluss seine Dienste tun.
Für die Winde wurde ein extra 500A Schalter eingebaut um böse Schandtaten von Offroad Gegnern zu unterbinden.

Standheizung:
Die Standheizung die nie recht zu funktionieren schien wurde komplett ausgebaut und die lausige Installation behoben. Die Dieselleitung verlief direkt neben dem Auspuff und war mit diesem zusammen verschweisst!
Es zeigt sich einfach wieder, dass man es am besten von Anfang an selber macht, dann kann man auch niemandem die Schuld geben wenn es nicht funktioniert!
Nach der Revision wurde auch die Steuerung verlegt, um sie bequem auch vom Bett aus bedienen zu können.

Innenbeleuchtung:
Mit 5630SMD LED Bandstreifen konnte die Innenbeleuchtung realisiert werden mit dem Ziel: sehr helles aber doch warmes Licht. Dies wurde auch extra mit 2 Schaltern gelöst mit separater Bedienung für das Licht im unteren sowie im oberen "Stock". Auch für die Cockpitbeleuchtung wurde ein LED-Streifen verbaut, damit auch im Dunkeln blendfrei navigiert werden kann.


Juli 2014: Bequemes und Praktisches...

Die Ausbauarbeiten neigen sich dem Ende zu, doch ein paar Ideen haben wir noch...
Das Bettgestell wurde nach langem Tüfteln angepasst und lässt sich nun längs teilen und einzeln verstellen. So versprechen wir uns noch mehr Bewegungsfreiheit, vor allem wenn wir mal längere Zeit - z.B. bei Regen - im Auto verbringen müssen. So kann der Eine beispielsweise bequem Kaffee machen während die Andere noch schläft ;-)

Wir haben uns für ein Bett von Fanello entschieden. Maximaler Komfort bei minimaler Höhe. Schlafen ist ja schliesslich wichtig. Nach längerem Testen können wir nur Positives dazu sagen.... ganz nach dem Werbespruch "Fanello - gut im Bett".

Zur zusätzlichen Isolation und damit wir unser Zelt nicht nass einpacken müssen, haben wir uns Regentarps gebastelt. Wir sind nicht nur stolz auf unsere Eigenentwicklung, sondern dass unsere "Rägemänteli" auch halten was sie versprechen!

Nach Langem hin und her haben wir uns für einen Seitenauspuff entschieden, der uns  - neben 15 kg Gewichtsersparnis  - vorallem Platz für einen 60 Liter Wassertank schafft. Zusammen mit dem 40 Liter Innentank, den wir in der Seitenverkleidung haben sind wir nun gut gerüstet. Komischerweise fällt das Duschen immer länger aus seit wir warmes Wasser haben... und damit wir unsere Filteranlage nicht unnötig belasten gibt es nun auch noch eine extra Vorfilterabzweigung.

Damit wir nun auch die Nacht zum Tag machen können haben wir die originalen "Kerzenlichter" durch Truck-Lite 7" LED Hauptscheinwerfer von Nakatanenga ersetzt. Das Ergebnis ist helles klares Licht, mit den vorherigen Totenlichtern nicht zu vergleichen!


April 2015: News von der Schrauberfront

Ein weiterer grosser Schritt ist getan in Bezug auf unser Vorhaben: Tico war beim Offroad-Spezialist in Stuttgart und hat eine Rundumbehandlung genossen. Die (wenigen) bekannten Schwachstellen des HZJ78  wurden ausgemerzt, heisst das Getriebe wurde mit den hochwertigen Komponenten von Terrain Tamer verstärkt und die geteilte Getriebewelle durch die Einteilige ersetzt.

Eine kostspielige Sache, aber in Anbetracht auf die Länder, in welchen wir uns bewegen werden und der Verfügbarkeit von Ersatzteilen sicher eine gute Sache - kein Bock auf Break-Down im Nirgendwo wegen eines Problems von dem man weiss dass es irgendwann kommt: Bericht Buschtaxi Forum

Desweitern bekam Tico ein Antiaging vom Feinsten: Unterboden und Hohlräume wurden grosszügig mit Wachs versiegelt um einen bestmöglichen Schutz vor Umwelteinflüssen und Rost zu gewährleisten.
Die hinteren Blattfedern wurden durch die neuste Generation Old Man Emu ersetzt. Jetzt steht Tico hinten wieder wie er sollte…. ziiiiemlich hoch nämlich.

Die früher falsch eingebauten Buchsen der Vorderachse wurden durch Superpro-Buchsen ersetzt. Heisst: weniger Querspiel in den Verbindungen, was eine direkteres Ansprechen zur Folge hat.

Tja und währenddessen haben wir unsere neue Werkstatt im Walzwerk bezogen - was für ein Traum…
Voll motiviert können wir nun die vielen kleinen Optimierungen in Angriff nehmen, die noch getan werden sollten und die uns das Leben einfacher macher werden. So hirnt Dani noch über dem Thema Stromverteilung und Cel kämpft mit einem riesigen Mosquitonetz, dass eingepasst werden muss… ausserdem ist unser Design auf gutem Weg - lasst Euch überraschen!

Ihr seht, die Arbeit geht uns also nicht aus. Aber von diesen Kleinigkeiten mal abgesehen ist unser Tico bereit für die grosse Reise.


Mai 2015: Die Dachbox ist da!

Schwer haben wir uns getan mit der Dachbox. Dass wir eine wollen, wussten wir bald, aber Grösse, Form, Material... wir konnten uns lange nicht entscheiden. Irgendwann haben wirs aber doch getan, und nun ist sie da! Unsere Massanfertigung von Brossbox. Quadratisch (fast) - praktisch (und wie) - leicht (das Wichtigste!). Tataa...:


Ausserdem ist es Zeit zu zeigen wer wir sind: Unser Logo prangt gross auf beiden Seiten des Fahrzeugs. Logo (nach unserem Entwurf) und Druck kommen vom Reklameatelier Gallus, appliziert haben wir es selbst. Die Buchstaben für "TICO" kommen aus dem Baumarkt.


August 2015: Update Elektrik und neue Sitzbezüge

Internet ist wichtig - schliesslich wollen wir Euch ja „up to date“ halten - und da wir weder Lust drauf haben stundenlang mit einem Kaffee im McDonalds zu hocken, noch mit dem Laptop in der Gegend herum zu rennen, haben wir eine anständige Richtstrahlantenne verbaut, die die Gegend auf der Suche nach Netz in einem Radius von 2.5 km abscannt. Bei Gebrauch kommt Sie einfach aufs Dach, damit uns im Inneren wegen den Strahlungswerten nicht die Haare ausfallen :-). Bei Nichtgebrauch wird die Antenne mit einer weiteren Haltevorrichtung diskret im Fahrzeug verstaut.
Damit es dann noch etwas komfortabler wird, wird ein sicheres bordinternes W-Lan aufgebaut, womit wir das Internet gemütlich im Campingstuhl mit unseren diversen Geräten nach ach so wichtigen News durchforsten können.
Auch die Elektrooptimierung ist im Grossen und Ganzen abgeschlossen - naja es gibt immer etwas zu tun - aber jetzt ist das ganze sauber geordnet und relativ übersichtlich verlegt und versorgt.
Zur besseren Kontrolle und Übersicht habe ich Anzeigen für die Start- und die Verbraucherbatterien eingebaut sowie eine Anzeige für das neue 100 W Solarpanel, um stets im Auge zu haben wieviel das Ding liefert.

Währenddessen hat Cel die gute alte Nähmaschine wieder mal vorgekramt und unsere Scheelmann-Sitze mit Lammfellüberzügen versehen, mal sehen ob uns diese im kalten Kanada warmhalten werden.


November 2015: Optimierung Standheizung

Da wir in den Westalpen leider feststellen mussten, dass unsere Eberspächer D2 Standheizung bei ca. 2'100 müM definitiv die Arbeit verweigert, beschlossen wir eine Höhenanpassung zu verbauen -  wir werden uns auf unserer Reise ja schliesslich des öfteren in höheren Lagen bewegen.
Bei neueren Heizungen wird das Problem mit einem speziellen Kabelstrang und einem Luftsensor gelöst, bei älteren Heizungen - bei welchen kein „H“ für Höhenkompensation auf dem Etikett der Heizung vermerkt ist - wird eine höhenoptimierte Dosierpumpe benötigt. Diese wird mittels eines Umschalters eingeschaltet.
Ein optimierter Pumpensatz ist für 180 Euro zu bekommen und kann selber eingebaut werden. Es erinnert etwas an Fischertechnik aber es geht.

Jetzt sollten wir gerüstet sein bis immerhin 4'000 Meter Höhe, so denn die Pumpe will. Ab 1'900 müM werden wir den Schalter auf die 2 umschalten und die optimierte Pumpe in Betrieb nehmen.


Januar 2016: Die letzten Optimierungen

Ein paar Feinheiten waren noch zu machen - aber jetzt habe ich endgültig abgeschlossen mit der Elektrogeschichte! In unserer Stossstange waren „blinde“ Blinker verbaut. Diese wurden jetzt durch 2 LED Scheinwerfer mit je 30 Watt ausgetauscht. Jetzt ist genügend Licht vorhanden um notfalls auch mal bei Dunkelheit Strecke zu machen.
Ausserdem wurde der Kabel- und Steckersalat im Cockpit etwas gebändigt und elegante weitere 12V und USB Dosen verbaut.

Für die Befestigung unserer Sandbleche habe ich mir auch etwas einfallen lassen: So wurden aus Polyamid Aufhängungen gedreht um dann mit einer angefertigten Aluscheibe die Bleche fest zu verschrauben. Mit den Verschlüssen von Thule werden sie zusätzlich gesichert. Wenn die Bleche mal verbogen sind sollte es trotzdem noch möglich sein diese gut zu fixieren.
Multifunktion über alles: So ist es ein Leichtes, die Bleche zur Theke umzufunktionieren oder aber sie können vor den Fenstern montiert werden als zusätzlicher Einbruchschutz.

Auch im Innenraum hat es eine Verbesserung gegeben. Schon lange hab ich mir überlegt, wie wir unser Tischchen vergrössern könnten. Die Vorgabe ist gegeben vom Originalausbau, das macht die Sache etwas tricky. Mit einer doppelten ausklappbaren Tischplatte können wir nun bei Bedarf die Fläche verdoppeln. Fürs Schneiden eines echt zähes Steaks ist die Konstruktion vermutlich zu schwach aber so was wollen wir ja auch nicht essen ;-)


Februar 2016: Mehr "Swissness" für Tico

Wir wollten keinen Sticker von der Stange, also ist mal wieder Kreativität gefragt. Zum Glück hat Cel vor 20 Jahren mal ein Praktikum in einer Schriftenmalerei gemacht.
Erst das Logo entwerfen, auf die Folien pausen, sorgfältig ausschneiden und per Trägerfolie (einfaches Klebband tuts auch) aufs Auto applizieren. Die Stunteinlagen sind wie immer mir überlassen ;-)