Nova Scotia - April 2016


Canada wir kommen!
Fertig All-Inclusive und Cocktails im Minutentakt... nach 2 Wochen Völlerei und Nichtstun wollen wir nur noch nach Canada und zu unserem Tico.
Welch erhabenes Gefühl den Airport zu verlassen mit dem ersehnten 180-Tag Visum im Pass! Da kullert doch gleich ein Tränchen der Erleichterung und Freude über die Wange... Halifax hier sind wir!
In einem Anfall gnadenloser Selbstüberschätzung lassen wir die Taxis links liegen und suchen unseren Weg per ÖV in die Stadt. Nach gut 2 Stunden, mehrmaligem Umsteigen und Aufsuchen diverser Fastfoodketten zwecks Kleingeldgenerierung für das höchst gewöhnungsbedürftige Tarifsystem erreichen wir kurz vor Mitternacht müde aber stolz unser AirBnB-Appartement in Halifax. Check! Die kleine Wohnung im Keller unseres Gastgebers hat alles was wir brauchen: Wlan, Küche, Bad, Wohnzimmer und Parkplatz, das Ganze sehr sauber und erst noch günstig. Mit einem Lächeln fallen wir ins Koma und träumen von unserem Luftlinie 1.3 km entfernten Tico, der im Hafen auf uns wartet...
Tags darauf erkunden wir Halifax zu Fuss und planen generalstabsmässig wie wir am nächsten Tag vorgehen sollen, um am einfachsten an unser Auto zu kommen. Es klappt dann auch alles problemlos: Per Bus zur Spedition, auf Papiere warten, zu Fuss zum Zoll, Papiere abstempeln und wieder per Bus Nr. 9 zum Hafen. Papiere zeigen, Weste anziehen und ab geht’s zu Tico! Obwohl die Spedition aus Tico aus Versehen ein „Fiat Van“ gemacht hat - welcher übrigens genau daneben steht - gibt es keine Probleme. Nach einem verwirrten „it’s a Cruiser, isn’t it?“ wird kurzerhand der Kugelschreiber gezückt und aus Tico wieder ein Toyota gemacht. So läuft das in Canada… ;-)
Tja und dann wird eingekauft, ausgeräumt, umgeräumt und eingeräumt was das Zeug hält und am Freitag morgen fahren wir dann endlich aus der Stadt - aufmunitioniert bis unters Dach mit Wasser, Diesel und Vorräten.


Endlich unterwegs

Wir sind sehr gemütlich unterwegs, es gibt ja auch soo viel zu sehen. Wir halten uns an die Küste und werden mit einzigartigen Panoramen belohnt. Vorwärts kommen wir kaum: hier ein kleiner Spaziergang, dort was gekauft, die Menschen sind wirklich sehr freundlich und interessiert. Unser Tico erregt Aufmerksamkeit wo immer er steht. Wo wir denn herkommen, wo es denn hingeht und wie lange wir Zeit haben… die Leute können es kaum fassen und sind stolz wenn wir bestätigen, wie wunderschön Ihr Land ist…Wir lernen über die Geschichte Nova Scotias, die Besiedlung durch Franzosen und Engländer, die Kriege und die Vertreibung der Akadier. Auf Nova Scotia siedelten viele Highlandschotten, wie die Namen auf den verwitterten Grabsteinen der Friedhöfe bezeugen und wenn wir uns die Landschaft anschauen können wir gut nachvollziehen, dass sie sich hier heimisch fühlten.
In dieser endlosen Weite wird das Schlafplätzlisuchen zum Vergnügen. Bald steigen unsere Ansprüche: direkt am Meer soll es sein, mit Fernsicht, den Sonnenuntergang sollte man sehen und am besten auch noch gleich Sonne am Morgen. Feuerholz soll es haben und windgeschützt wäre auch noch wichtig! Oftmals können wir die Kriterien erfüllen. Da wir eigentlich noch im Winter unterwegs sind, begegnen wir auch keinen anderen Touristen. Die Nationalparks und Lookouts haben wir ganz für uns alleine. Auch das Wetter ist gnädig mit uns. Abgesehen von zwei kurzen Schneeepisoden ist der Himmel durchwegs blau. Wenn die Bise mal nachlässt, ist es fast T-Shirt-Wetter. Geht die Sonne aber unter, sinkt auch das Thermometer unter Null (Rekord -10°C!). Dann sitzen wir gemütlich im Auto, trinken „Zwätschgelutz“, lesen oder planen den nächsten Tag, während die Standheizung zuverlässig vor sich hin schnurrt und wohlige Wärme verströmt.
So vergeht die Zeit wie im Flug und wir versuchen unser Reisetempo zu finden. Schnell finden wir in unseren „Alltag“, jeder hat seine Jöbli und seine Routinen.

...und schon wird wieder geschraubt
Als Outdoorchef fällt natürlich auch Ticos Wohl in Danis Kompetenz, und hier bahnt sich bereits das erste Problem an: die Bremsen die immer schlechter werden. Die Handbremse hat sich schon vor mehreren hundert Kilometern verabschiedet und um anständig zu bremsen muss das Pedal schon 3 x durchgedrückt werden. Dies obwohl die Bremsen kurz vor Abreise von einer Fachwerkstatt in Eiken revidiert wurden...
An einem schönen Platz wird das Ganze dann mal inspiziert: Nach einigen Fragezeichen und Überlegungen wird bald klar, hier wurde einiges ganz falsch zusammengebaut! Es müssen beide Hinterräder weg um die vertauschten Nachstellspindeln zu tauschen. Denn statt die Bremse nachzustellen wurde Sie bei jedem Bremsvorgang etwas gelöst! Herzlichen Dank an den Mechaniker! Es zeigt sich wieder wie froh wir sein können über Danis technisches Geschick und dass er Tico bis fast zur letzten Schraube kennt, weil er schon so viel selbst geschraubt hat. Diese Aktion hätte in einer Garage sicher eine Menge gekostet... auf jeden Fall bremst es jetzt wieder wie es sollte und es kann sicher weitergehen.
Wir umrunden Cape Breton Island auf dem wunderschöne Cabot Trail, unternehmen einige Walks im noch geschlossenen Nationalpark und finden dank Geocaching traumhafte Strände, Aussichtspunkte und Frischwasserquellen, die in keinem Reiseführer stehen und vermutlich nur die wenigsten Touristen kennen.
Schweren Herzens lassen wir Neufundland aus, da wir aufgrund der Temperaturen im Moment nicht noch weiter in den Norden wollen. Stattdessen sind wir auf dem Weg nach New Brunswick, wo wir uns die Fundy Bay mit ihren gewaltigen Tiden genauer ansehen wollen. Aber davon könnt Ihr dann im nächsten Bericht lesen…